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1. Betriebliche Altersvorsorge - Was ist das?

Deutschland und sein Rentensystem sind ein äußerst komplexes Thema. Diejenigen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, haben Anspruch auf die gesetzliche Rente, alle anderen nicht. Wird die gesetzliche Rente mit Blick auf die demografische Entwicklung in der Bundesrepublik überhaupt ausreichen? Fakt ist, dass die gesetzliche Rente für die finanzielle Absicherung im Rentenalter nicht ausreicht. Die betriebliche Altersvorsorge bietet hier effektive Möglichkeiten, steuer- und sozialabgabenfrei eine gezielte Vorsorge fürs Alter zu treffen. So entsteht ein wichtiger zusätzlicher Schutz vor der Altersarmut.

Die wichtigsten gesetzlichen Regelungen hierzu finden Sie im „Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung“ (BetrAVG oder Betriebsrentengesetz). Seit der Einführung des Gesetzes im Jahr 1974 wird es regelmäßig aktualisiert (zuletzt 2009).
Insbesondere §1a BetrAVG sollten Sie dabei Beachtung schenken. Dieser Paragraf räumt jedem Arbeitnehmer das Recht auf eine Entgeltumwandlung ein. Das bedeutet, einen Teil des unversteuerten Bruttoeinkommens kann jeder Arbeitnehmer auf direktem Wege für die betriebliche Altersvorsorge einsetzen.

 

2. Wie läuft die betriebliche Altersvorsorge ab?

Laut dem Betriebsrentengesetz existieren insgesamt fünf Durchführungswege:


1. Direktversicherung
2. Unterstützungskasse
3. Pensionsfonds
4. Pensionskasse
5. Pensionszusage oder Direktzusage


Von den fünf Durchführungswegen wird die Pensionszusage oder Direktzusage über den Betrieb selbst abgewickelt, d.h. von der Zusage bis zur Auszahlung liegt jegliche Verpflichtung beim Unternehmen. Bei dieser Variante taucht die betriebliche Altersvorsorge daher auch in der Unternehmensbilanz auf. Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds und Unterstützungskasse werden hingegen durch außerbetriebliche, steuerlich eigenständige Institutionen vollzogen.


Welcher Weg der Richtige ist, muss für jede Situation individuell betrachtet werden. Auch wenn sich die fünf Wege in der Durchführung ähneln, so müssen doch die Unterschiede in der steuerlichen Behandlung der Beitragsein- und Leistungsauszahlungen berücksichtigt werden.

Doch wie funktioniert die betriebliche Altersvorsorge im Allgemeinen?


Schritt 1: Der Arbeitgeber erteilt eine Vorsorgezusage

Arbeitnehmer oder (Gesellschafter-) Geschäftsführer erhalten vom Arbeitgeber eine Zusage zur Altersvorsorge. In welchem Umfang diese Vorsorgezusage gewährt wird, also ob die klassische Altersrente um Zusatzleistungen (Hinterbliebenenversorgung, Absicherung gegen Erwerbsunfähigkeit) erweitert wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich.




Schritt 2: Die Anwartschaft

Der Arbeitgeber und / oder der Arbeitnehmer zahlen vom Zeitpunkt dieser Zusage bis zum Eintritt des Versicherungsfalles (Anwartschaft) Beiträge an die betriebliche Altersvorsorge.



Schritt 3: Der Versicherungsfall

Kommt der Versicherungsfall zum Tragen, bekommt der Berechtigte die zugesprochenen Leistungen ausgezahlt.




3. Was sind die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge?

Von der betrieblichen Altersvorsorge profitieren sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber. Steuerliche Vergünstigungen erweisen sich dabei als einer der attraktivsten Vorteile.



Wovon profitieren die Arbeitnehmer?

Steuerliche Vergünstigungen und Spareffekte:

- Die Entgeltumwandlung sorgt bei der Einkommensteuer und Sozialabgaben für beträchtliche Sparvorteile
- Die eingezahlten Beiträge bleiben während der Anwartschaft steuerfrei. Ob vollständig oder zumindest bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (248,00 EUR monatlich im Jahr 2016) hängt vom jeweiligen Durchführungsweg ab.


Zukunft sichern:

- Die Rente ist gesichert, denn der drohenden unzureichenden Versorgung durch das gesetzliche Rentensystem (z. B. aufgrund eines Einkommens über der Beitragsbemessungsgrenze) wird vorgebeugt.


Ein Plus zur klassischen Altersrente:

- Vereinbarungen zusätzlicher Leistungen können getroffen werden. Beispielsweise für die Versorgung von Hinterbliebenen oder zur Absicherung gegen eine Erwerbsunfähigkeit (Invalidenrente) oder auch bei Berufsunfähigkeit.


Arbeitsplatzwechsel:

- Auch ein Wechsel des Arbeitsplatzes ist in den meisten Fällen kein Problem. In der Regel kann die betriebliche Altersvorsorge nämlich problemlos zum neuen Arbeitgeber mitgenommen werden.




Wovon profitieren die Arbeitgeber?

Steuerliche Vergünstigungen und Spareffekte:

- Die geleisteten Zuwendungen zur betrieblichen Altersvorsorge können vom Arbeitgeber als Betriebsausgaben in vollem Umfang von der Steuer abgesetzt werden.
- Im Rahmen der Entgeltumwandlung kann auch der Arbeitgeber Ersparnisse bei den Lohnnebenkosten erzielen.


Versorgungszusagen gegenüber (Gesellschafter-) Geschäftsführern:

- Bei der Wahl eines der beiden Durchführungswege Pensionszusage oder Unterstützungskasse ist die betriebliche Altersvorsorgung auch dahingehend von Nutzen, um Versorgungszusagen gegenüber (Gesellschafter-) Geschäftsführern zu tätigen.


Imagepflege:

- Die betriebliche Altersvorsorge bietet dem Unternehmen einen Mehrwert, da sie für ein positives Image sorgt. Dadurch können qualifizierte Fachkräfte gewonnen und langfristig im Unternehmen gehalten werden.
- Die Personalpolitik wird dadurch positiv gefördert.
- Ebenfalls kann die Mitarbeiterfluktuation minimiert werden, wenn ein Arbeitgeberzuschuss gewährt wird.




4. Was sind die Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge?

Es gibt sie nicht! Der einzige Aspekt, der hier genannt werden sollte, ist die Tatsache, dass sich ein jeder im Vorfeld mit den unterschiedlichen Durchführungswegen genauestens vertraut machen sollte, damit hinterher auch das Maximum an Vergünstigungen und Erträgen erreicht werden kann. Ein Nachteil entsteht erst dann, wenn die steuerlichen Vergünstigungen nicht umfassend ausgeschöpft werden.




5. Welche Steuervorteile bietet die betriebliche Altersvorsorge?

Jeder der fünf gesetzlich zugelassenen Durchführungswege ermöglicht steuerliche Vergünstigungen, die sich jedoch in einigen Punkten voneinander unterscheiden. Worin genau die Unterschiede liegen, sollte im Vorhinein bekannt sein, damit die betriebliche Altersvorsorge für die jeweiligen individuellen Ansprüche umfassend ausgeschöpft werden kann.


Durchführungswege: Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds

- Eingezahlte Beiträge bis zu einer Höhe von vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (248,00 EUR monatlich im Jahr 2016) sind steuerfrei.
- Ein weiterer steuerbefreiter Betrag von 1.800 Euro pro Jahr ist möglich.
- Als Betriebsausgaben sind die Arbeitgeberzuwendungen umfassend als Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar.
- Weitere Ersparnisse bei der Einkommenssteuer durch Entgeltumwandlung


Durchführungswege: Unterstützungskasse und Pensionszusage

- Eingezahlte Beiträge sind aufgrund der nachgelagerten Besteuerung komplett steuerfrei.
- Als Betriebsausgaben sind die Arbeitgeberzuwendungen umfassend als Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar.
- Weitere Ersparnisse bei der Einkommenssteuer durch Entgeltumwandlung


Steuervorteil des internen Durchführungsweges: Pensionszusage

- Innerbetriebliche Rückstellungen müssen gemacht werden, damit die Deckung der Vorsorgungszusage gewährleistet werden kann. Da diese als Fremdkapital in der Bilanzierung vorkommen, mindern sie einerseits zwar den Gewinn, senken andererseits aber auch die steuerliche Belastung.



6. Gibt es bei der betrieblichen Altersvorsorge steuerpflichtige Leistungen im Alter?

Während der Anwartschaft werden die eingezahlten Beiträge je nach Durchführungsweg unterschiedlich versteuert. Genau von dieser steuerlichen Behandlung hängt es ab, ob und in welcher Höhe die Leistungen aus der betrieblichen Altersvorsorge im Alter versteuert werden.


Fall 1: Die Beitragsanteile wurden während der Einzahlungsphase nicht versteuert

- Nach § 19 EStG werden die Beiträge im Alter wie ein „Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit“ voll versteuert.
- Von der nachgelagerten Besteuerung profitieren viele, da der zukünftige Steuersatz erwartbar unter dem aktuellen liegt.


Fall 2: Die Beitragsanteile wurden während der Einzahlungsphase versteuert

- Nach § 22 EStG („sonstige Einkünfte“) wird ein ermäßigter Steuersatz auf den sogenannten Ertragsanteil der betrieblichen Altersvorsorge erhoben. Wie hoch der Steuersatz ist, hängt unter anderem vom Alter des Rentenempfängers beim Auszahlungsbeginn ab.




7. Wie hoch ist die monatliche Beitragszahlung innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge?

Die Höhe der Beitragszahlung kann pauschal nicht definiert werden, da der individuelle Bedarf sowie die steuerlichen Aspekte bei der Festlegung nicht außer Acht gelassen werden sollten:


Individueller Bedarf

- Wie sehen die individuellen Ansprüche des Arbeitnehmers im Alter aus?
- Besteht Anspruch auf eine gesetzliche Rente?
- Stockt der jeweilige Arbeitgeber den Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge durch Zuwendungen weiter auf?


Steuerliche Aspekte

- Nachgelagerte Besteuerung: Abhängig vom gewählten/angebotenen Durchführungsweg sind die Beitrage während der Anwartschaft (beliebig oder bis zu einer Höhe von vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung) abgabenfrei.


Rat vom Experten

- Um den Lebensstandard auch im Alter halten zu können, raten Experten zu einer Einzahlung in die Altersvorsorge in Höhe von 10 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens.




8. Ist das Erhöhen oder Senken der Beiträge möglich?

Hierbei ist auch wieder der Durchführungsweg entscheidend.


Direktversicherung oder Pensionskasse

- Unter Berücksichtigung eines Mindest- und Höchstbetrags kann der Beitrag problemlos erhöht bzw. gesenkt werden.


Pensionszusage und Unterstützungskasse

- Es ist nur das Erhöhen des Beitrags möglich.
- Unterstützungskasse: Laut § 4d EStG können Beiträge nur dann von den Steuern abgesetzt werden, wenn die Höhe über die gesamte Laufzeit der Anwartschaft gleich bleibt oder steigt.
- Pensionszusage: Für die zur Finanzierung gebildeten Rückstellungen ist laut § 6a EStG eine steuerliche Zulässigkeit nur dann gewährleistet, wenn die Pensionsleistungen weder vermindert noch entzogen werden.


Pensionsfonds

- Erhöhungen und Senkungen sind möglich.
- Zusätzlich können auch Einmalzahlungen (z.B. Jahresbonus) getätigt werden.




9. Ist die betriebliche Altersvorsorge kündbar?

Nein, sie ist nicht zu kündigen! Dies ergibt sich bereits aus der Zielsetzung, den Arbeitnehmer für das Alter abzusichern.




10. Welche Kosten entstehen beim Abschluss der betrieblichen Altersvorsorge?

Neben den Verwaltungskosten, für die der Arbeitgeber aufkommen muss, entstehen je nach gewähltem Durchführungsweg noch weitere Kosten:


Pensionskasse und Direktversicherung

- betreffen den Arbeitnehmer und/oder den Arbeitgeber (je nach dem, wer die betriebliche Altersvorsorge leistet)
- Abschlusskosten

o Aufwandsentschädigung für externe Versorgungsträger aufgrund von Verwaltungsvorgängen und Maklerprovisionen
o In den ersten fünf Jahren gehen diese von den eingezahlten Beiträge ab


Pensionszusage, Unterstützungskasse und Pensionsfonds

- betreffen den Arbeitnehmer und/oder den Arbeitgeber (je nach dem, wer die betriebliche Altersvorsorge leistet)
- Abschlusskosten

  • o Beiträge für den Pensions-Sicherungs-Verein (PSV)

  • - Der PSV schreitet bei Insolvenz des Mitgliedunternehmens ein und leistet dann den Zahlungsausgleich an den Versorgungsempfänger.




    11. Zusammenfassung: Warum ist die betriebliche Altersvorsorge so bedeutsam?

    Schauen Sie bezüglich Ihrer Rente auch besorgt in die Zukunft? Dann teilen Sie die Sorgen mit vielen Menschen. Alleine auf die Altersvorsorge durch die gesetzliche Rentenversicherung sollten Sie jedenfalls in der heutigen Zeit nicht mehr vertrauen. Eine Lösung, den Sorgen zu entfliehen, bieten zusätzliche Absicherungsmaßnahmen, weshalb die betriebliche Altersvorsorge umso bedeutsamer geworden ist.

    Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die betriebliche Altersvorsorge stetig weiterentwickelt. Als Säule im Drei-Säulen-Modell (gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge, private Altersvorsorge) des deutschen Rentensystem wird sie zunehmend wichtiger. Die aus der betrieblichen Altersvorsorge resultierenden steuerlichen Vergünstigungen sollen die Arbeitnehmer im Rentenalter vor finanziellen Engpässen in der Rentenversorgung schützen.

    Doch nicht nur Arbeitnehmer können von der betrieblichen Altersvorsorge profitieren, sondern auch (Gesellschafter-) Geschäftsführer, denen ebenfalls eine Vorsorge zugesagt werden kann. Für diese Personengruppe ist eine zusätzliche Altersvorsorge sogar von großer Bedeutung, da sie zumeist keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben. Der Grund dafür ist, dass sie nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und/oder mit ihrem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze liegen. Des Weiteren ist die Vorsorgungszusage des Arbeitgebers gegenüber seinen (Gesellschafter-) Geschäftsführern deshalb wichtig, weil ein Mitarbeiter so langfristig an das Unternehmen gebunden werden kann und Schlüsselpositionen, die von (Gesellschafter-) Geschäftsführern bekleidet werden, somit langfristig qualifiziert besetzt bleiben.

    Für die betriebliche Altersvorsorge für Geschäftsführer gelten jedoch bestimmte Fristen und Probezeiten, die nur bei Einhaltung eine Absicherung der steuerlichen Anerkennung gewähren. Zudem sind nicht alle der verschiedenen Durchführungswege gleichermaßen für die Geschäftsführerversorgung geeignet, weshalb eine professionelle Beratung im Vorfeld definitiv zu empfehlen ist.






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